Das Verhalten der Orcas gegenüber Booten in der Straße von Gibraltar
Ein rätselhaftes Phänomen: Interaktionen zwischen Orcas und Wasserfahrzeugen seit 2020
Seit 2020 sorgt die Häufung von Zwischenfällen zwischen Orcas und Wasserfahrzeugen in der Straße von Gibraltar sowohl bei Experten als auch bei Seglern für Verwunderung und Besorgnis. Angesichts der wiederkehrenden Orca-Boot-Interaktionen haben Forscher beschlossen, dieses lange Zeit ungeklärte Phänomen zu analysieren.
In den vergangenen vier Jahren wurden immer mehr Segelboote und Yachten zum Ziel teils eindrucksvoller Interaktionen mit diesen intelligenten Meeressäugern. Bis vor Kurzem blieben die Gründe für das Verhalten der Orcas unklar. Ein Team von Biologen liefert nun neue Erkenntnisse: Es handele sich nicht um Angriffe, die durch Aggressivität motiviert seien, sondern vielmehr um Spiel- und Erkundungsverhalten.
Das Verhalten der Orcas als Spiel eingestuft: wissenschaftliche Erklärungen
Die alarmierenden Zahlen zu Orca-Boot-Interaktionen
Einem Bericht der Internationalen Walfangkommission (IWC), der im Auftrag der spanischen und portugiesischen Behörden erstellt wurde, zufolge wurden seit 2020 nicht weniger als 673 Interaktionen zwischen Orcas und Booten im Bereich der Straße von Gibraltar erfasst. Diese Begegnungen mit den Orcas der Meerenge reichen von einfachen Umkreismanövern bis hin zu heftigeren Kontakten, die sich vor allem gegen das Ruder der Schiffe richten. In extremen Fällen führten diese Orca-Boot-Interaktionen zum Sinken der Fahrzeuge: Laut dem am 24. Mai veröffentlichten Bericht sollen mindestens vier Boote gesunken sein.
Eine Minderheit von Orcas verantwortlich für das Phänomen
Die Wissenschaftler betonen jedoch, dass nur etwa fünfzehn Orcas von den vierzig rund um die Iberische Halbinsel identifizierten Tieren an diesen Verhaltensweisen beteiligt sind. Es handelt sich dabei überwiegend um junge männliche Orcas, die als besonders neugierig und erkundungsfreudig in ihrer Meeresumgebung beschrieben werden.
Die Intelligenz der Orcas erklärt dieses Verhalten
Den Forschern zufolge handeln diese Orcas nicht aus Feindseligkeit. Als soziale Tiere mit hoher Intelligenz sind Orcas dafür bekannt, Objekte zu manipulieren und damit zu „spielen". Junge Orcas sollen beobachtet haben, wie ihre Artgenossen mit Rudern interagierten, und dieses Verhalten durch Nachahmung übernommen haben – ein bei diesen intelligenten Meeressäugern weit verbreitetes Phänomen.
In ihrem Bericht kommen die Experten zu dem Schluss, dass die Bezeichnung dieser Ereignisse als „Orca-Angriffe" unangemessen ist. Die beobachteten Interaktionen zwischen Orcas und Booten entsprechen eher Spielverhalten, sozialen Aktivitäten oder einem vorübergehenden Verhaltenstrend als einer aggressiven Absicht.
Die Schlüsselrolle des Nahrungsreichtums in der Straße von Gibraltar
Spielerisches Verhalten im Zusammenhang mit der Meeresumwelt
Fachleute weisen darauf hin, dass bestimmte Orca-Populationen gelegentlich atypisches Verhalten entwickeln. Im Nordwestpazifik beispielsweise wurden Gruppen von Orcas dabei beobachtet, wie sie mit Schweinswalen spielten, bis diese starben – ohne die Absicht, sie zu fressen. Ende der 1980er-Jahre wurden dieselben Orcas zudem dabei gesehen, wie sie tote Lachse auf dem Kopf balancierten, ohne erkennbaren Zweck.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf das Verhalten der Orcas
Diese vorübergehenden Verhaltensweisen könnten durch ein begünstigendes Umfeld erklärt werden. In den Gewässern Südeuropas und der Straße von Gibraltar bietet das durch den Klimawandel begünstigte verstärkte Vorkommen von Blauflossen-Thunfisch den Orcas eine reichhaltige Nahrungsquelle. Da diese Meeressäuger weniger Zeit für die Jagd aufwenden müssen, stünden ihnen mehr Zeit und Energie für spielerische und erkundende Aktivitäten zur Verfügung.
Der Bericht hebt zudem hervor, dass der Rückgang negativer Wechselwirkungen mit der Fischerei dieses erkundende und soziale Verhalten, das für die Intelligenz der Orcas charakteristisch ist, begünstigen könnte.
Empfehlungen zur Verringerung von Zwischenfällen zwischen Orcas und Seglern
Von Experten empfohlene Präventionsmaßnahmen
Angesichts dieser Situation mit den Orcas der Straße von Gibraltar rufen die Forscher Segler dazu auf, Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. Sie empfehlen insbesondere:
- In Küstennähe zu bleiben während der Fahrt
- Jegliche aggressiven Abwehrmethoden zu vermeiden, wie Knallkörper oder Elektroschocks, die als unwirksam und möglicherweise kontraproduktiv eingestuft werden
Diese Abwehrmaßnahmen gegenüber Orcas könnten Stress oder Reizung der Tiere verstärken.
Technische Lösungen zur Reduzierung von Interaktionen
Die Experten empfehlen außerdem, die Konstruktion der Ruder anzupassen, um sie für Orcas weniger attraktiv zu machen – eine innovative Lösung, die die Anzahl der Interaktionen zwischen Orcas und Booten in der Straße von Gibraltar deutlich reduzieren könnte.
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